Ergänzung zur Sicherheit

Die EFSA konnte 2021 die Sicherheit des von ihr bewerteten Tongkat-Ali-Wurzelextrakts nicht bestätigen. Sie sah ein Potenzial für DNA-Schäden. Standardisierung und in Studien verwendete Mengen sind deshalb kein allgemeiner Sicherheitsnachweis. EFSA-Bewertung des untersuchten Extrakts.

Tongkat Ali (Eurycoma longifolia) wird in zahlreichen Varianten angeboten, vom preiswerten Wurzelpulver bis zu patentierten standardisierten Extrakten. Trotz gleicher Pflanzenbezeichnung kann sich der Inhalt erheblich unterscheiden. Die Redaktion erklärt die Formen, die Angaben auf dem Etikett und die Merkmale der in klinischen Studien untersuchten Ausgangsstoffe.

Ausgangsmaterial: Was steckt im Präparat?

Tongkat Ali ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum aus den tropischen Wäldern Malaysias, Indonesiens, Thailands und Vietnams. In der traditionellen südostasiatischen Medizin wird vor allem die Wurzel als bitterer wässriger Sud verwendet. Auch moderne Nahrungsergänzungsmittel basieren hauptsächlich auf diesem Pflanzenteil.

Die Wurzel enthält eine komplexe Mischung. Bekannt sind Quassinoide wie Eurycomanon, daneben Alkaloide, Triterpene, Glycosaponine und Polypeptidfraktionen, die gelegentlich Eurypeptide genannt werden. Bhat und Karim (2010) beschreiben in Fitoterapia mehr als hundert identifizierte Stoffe. Welche davon die hormonellen Wirkungen erklären, ist nicht abschließend geklärt.

Der Gehalt hängt unter anderem von Alter, Herkunft, Boden und Verarbeitung der Pflanze ab. Junge Wurzeln können sich deutlich von denen älterer Bäume unterscheiden. Zwei Produkte mit der Aufschrift Tongkat-Ali-Wurzel müssen daher nicht dieselbe biologische Aktivität besitzen.

In den meisten klinischen Studien mit positiven Ergebnissen wurde kein gemahlenes Wurzelmaterial, sondern ein standardisierter wässriger Extrakt eingesetzt. Malaysia formulierte hierfür mit MS 2409:2011 einen nationalen Standard für gefriergetrockneten wässrigen Wurzelextrakt. Diese Unterscheidung ist für die Einordnung der angebotenen Formen wichtig.

Die wichtigsten Darreichungsformen

Auf dem Markt finden sich fünf grundlegende Formen. Sie haben unterschiedliche praktische Eigenschaften und sind hinsichtlich der vorhandenen Studien nicht gleichwertig. Die Tabelle gibt einen Überblick.

FormBeschreibungVorteileNachteile
Gemahlene WurzelGetrocknete und zerkleinerte Wurzel ohne ExtraktionGünstiger Preis; wenig verarbeitetUnbekannter Wirkstoffgehalt, große Mengen, sehr bitter
Nicht standardisierter ExtraktExtrakt mit Verhältnisangabe, etwa 50:1, 100:1 oder 200:1Kompakte MengeDas Verhältnis garantiert keinen bestimmten Wirkstoffgehalt
Standardisierter wässriger ExtraktExtrakt mit festgelegtem Gehalt an MarkersubstanzenMit untersuchten Extrakten vergleichbarHöherer Preis
Patentierte AusgangsstoffeMarkenextrakte mit eigener StudienlageNachvollziehbare Zusammensetzung und untersuchte MengenHoher Preis; mögliche missbräuchliche Markennutzung
Flüssigformen, Tees und KaffeemischungenTinkturen oder Instantgetränke mit zugesetztem ExtraktEinfache VerwendungExtraktmenge häufig gering oder nicht angegeben

Gemahlene Wurzel ist am günstigsten. Um eine mit 200 mg eines hochwertigen Extrakts vergleichbare Stoffmenge aufzunehmen, wären unter Umständen mehrere Gramm bitteres Pulver nötig. Der tatsächliche Gehalt bliebe trotzdem unbekannt. Für eine regelmäßige Verwendung ist diese Form wenig praktisch und schwer vorhersehbar.

Extraktkapseln sind die verbreitetste Form. Sie ermöglichen eine definierte Menge und verdecken den bitteren Geschmack. Unverkapseltes Extraktpulver erlaubt eine flexiblere Portionierung, wird wegen seines Geschmacks jedoch häufig mit kräftig schmeckenden Getränken gemischt.

Flüssigextrakte, Tees und sogenannte Männerkaffees werden häufig als Genussprodukte angeboten. Meist fehlen Angaben zur Extraktmenge oder Standardisierung. Ihre Wirksamkeit lässt sich daher nicht zuverlässig anhand der Etiketten beurteilen.

Illustration zum Beitrag: Tongkat Ali: Darreichungsformen und Auswahlkriterien
Foto: nrd / Unsplash

Standardisierung und Extraktionsverhältnis

Angaben wie 100:1 oder 200:1 führen leicht zu Missverständnissen. Sie beschreiben, wie viel Ausgangsmaterial für eine bestimmte Extraktmenge verwendet wurde. Daraus geht nicht hervor, welche Stoffe in welcher Konzentration im Endprodukt verbleiben. Hohe Zahlen können auch als reines Marketing dienen.

Standardisierung bedeutet dagegen, dass ein definierter Anteil bestimmter Marker zugesichert wird, meist Eurycomanon, Glycosaponine oder Polypeptidfraktionen. Der Gehalt kann mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatografie (HPLC) bestimmt und im chargenbezogenen Analysezertifikat dokumentiert werden.

Wurzelals Ausgangsmaterial WässrigeExtraktion Gefriertrocknungoder Trocknung HPLC-Analyseder Marker Das Verhältnis, etwa 100:1, beschreibt nur die ersten Schritte.Die Standardisierung prüft den Stoffgehalt des Endprodukts.
Abb. 1. Schematischer Weg von der Wurzel zum standardisierten Extrakt. Extraktionsverhältnis und Standardisierung liefern unterschiedliche Informationen.

In klinischen Arbeiten wurden überwiegend wässrige Extrakte untersucht. Talbott et al. (2013) verwendeten in einer Studie zu Stresshormonen und Stimmung 200 mg eines standardisierten Extrakts täglich. Henkel et al. (2014) untersuchten bei körperlich aktiven älteren Menschen 400 mg täglich. Tambi et al. (2012) verwendeten bei Männern mit spät einsetzendem Hypogonadismus ebenfalls 200 mg wässrigen Extrakt.

Für einen Vergleich mit diesen Forschungsergebnissen müssen Pflanzenteil, wässrige Extraktion, Markerstandardisierung und die untersuchte Menge nachvollziehbar sein. Ein Produkt mit der Angabe „200:1, 1000 mg“ ohne Standardisierung ist nicht automatisch stärker oder besser untersucht.

Praktische Kriterien zur Einordnung

Die folgenden Prüfpunkte sollen helfen, Produktangaben besser zu beurteilen. Sie garantieren weder eine Wirkung noch die Sicherheit oder Verkehrsfähigkeit des jeweiligen Produkts.

  • Pflanzenteil: Auf dem Etikett sollte ausdrücklich Wurzel beziehungsweise root stehen, nicht nur Pflanze oder Kraut.
  • Extraktart: Die genannten klinischen Untersuchungen betreffen vor allem wässrige Extrakte.
  • Standardisierung: Der Markeranteil, etwa Eurycomanon, Glycosaponine oder Polypeptide, ist aussagekräftiger als das Extraktionsverhältnis allein.
  • Menge pro Portion: Die Extraktmenge in Milligramm muss angegeben sein. In den beschriebenen Studien wurden 200 bis 400 mg täglich untersucht; dies ist keine persönliche Dosierungsempfehlung.
  • Analysezertifikat: Ein chargenbezogenes COA sollte Marker, Schwermetalle und mikrobiologische Qualität dokumentieren.
  • Transparente Einzelmengen: Bei einer nicht aufgeschlüsselten Mischung lässt sich der Tongkat-Ali-Anteil nicht bewerten.

Sogenannte Testosteronbooster kombinieren Tongkat Ali häufig mit Tribulus, Zink, Bockshornklee und weiteren Stoffen. Solche Mischungen sind bequem, enthalten aber oft geringe Einzelmengen. Studien zu einzelnen Bestandteilen belegen nicht automatisch die Wirkung der Mischung. Ein Einzelprodukt lässt sich hinsichtlich seiner Zusammensetzung leichter beurteilen.

Bei identischem Inhalt ist die Form als Kapsel, Tablette oder Pulver meist weniger entscheidend als Standardisierung und Menge. Kapseln erleichtern die Portionierung. Größere Pulverpackungen können günstiger sein, erfordern aber ein geeignetes Messinstrument und die Bereitschaft, den bitteren Geschmack in Kauf zu nehmen.

Auch der Preis ist ein Anhaltspunkt: Standardisierte Extrakte erfordern Rohstoffqualität, Kontrollen und Analysen. Ein extrem günstiges Angebot mit weitreichenden Versprechen sollte deshalb kritisch geprüft werden.

Produktqualität und Sicherheit

Bei pflanzlichen Produkten aus Südostasien sind Verunreinigungen mit Schwermetallen wie Blei und Quecksilber bekannt. Malaysische Behörden haben wiederholt Produkte wegen überschrittener Grenzwerte zurückgerufen. Ein entsprechender Nachweis im Chargenzertifikat ist daher ein grundlegendes Qualitätsmerkmal.

Ein weiteres Problem sind nicht deklarierte Zusätze. Behörden verschiedener Länder fanden in pflanzlichen Männerprodukten synthetische Stoffe, darunter Analoga von PDE-5-Hemmern. Ein angeblich sofortiger Potenzeffekt kurz nach der Einnahme kann auf solche Beimischungen hindeuten und ist kein Beleg für einen hochwertigen Pflanzenextrakt.

Auch die Lagerung spielt eine Rolle. Extrakte sind hygroskopisch und nehmen Luftfeuchtigkeit auf. Pulver kann verklumpen; Inhaltsstoffe können sich allmählich abbauen. Eine dicht verschlossene Verpackung, Schutz vor Licht und Feuchtigkeit sowie die Beachtung der Lagerhinweise und des Haltbarkeitsdatums sind wichtig.

Für dopingkontrollierte Sportler ist eine unabhängige Prüfung auf verbotene Substanzen besonders relevant. Selbst wenn die Pflanze nicht ausdrücklich auf der Verbotsliste steht, können verunreinigte Chargen ein Risiko darstellen. Darauf weist auch der IOC-Konsens zu Nahrungsergänzungsmitteln hin (Maughan et al., 2018).

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ist keine medizinische Empfehlung. Besprechen Sie eine beabsichtigte Anwendung insbesondere bei Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme mit einem Arzt. Die örtlichen Sicherheits- und Zulassungsvorgaben sind zusätzlich zu beachten.

Fazit der Redaktion

Der Pflanzenname allein garantiert keine bestimmte Zusammensetzung. Zwischen gemahlener Wurzel, nicht standardisiertem Extrakt und standardisiertem Ausgangsstoff bestehen wesentliche Unterschiede in Gehalt und Vorhersehbarkeit.

Die hier dargestellten Forschungsergebnisse betreffen überwiegend standardisierte wässrige Wurzelextrakte mit nachvollziehbaren Markergehalten und untersuchten Mengen von 200 bis 400 mg täglich. Daraus folgt weder eine allgemeine Einnahmeempfehlung noch ein Nachweis der Sicherheit aller entsprechenden Produkte.

Ein Verhältnis von 100:1 oder 200:1 ist kein unmittelbares Maß für die Wirkstärke. Kleine Anteile in Mischungen sind nicht automatisch mit untersuchten Einzelpräparaten vergleichbar. Ein niedriger Preis kann mit fehlender Kontrolle des tatsächlichen Inhalts einhergehen.

Der Ausgangstext empfiehlt außerdem Beiträge zu Wirkmechanismus und Gegenanzeigen von Tongkat Ali sowie einen Vergleich mit Ashwagandha.

Literaturverzeichnis

  1. Bhat R, Karim AA. Tongkat Ali (Eurycoma longifolia Jack): a review on its ethnobotany and pharmacological importance. Fitoterapia. 2010;81(7):669–679.
  2. Talbott SM, Talbott JA, George A, Pugh M. Effect of Tongkat Ali on stress hormones and psychological mood state in moderately stressed subjects. J Int Soc Sports Nutr. 2013;10(1):28.
  3. Henkel RR, Wang R, Bassett SH, et al. Tongkat Ali as a potential herbal supplement for physically active male and female seniors — a pilot study. Phytother Res. 2014;28(4):544–550.
  4. Tambi MI, Imran MK, Henkel RR. Standardised water-soluble extract of Eurycoma longifolia, Tongkat ali, as testosterone booster for managing men with late-onset hypogonadism? Andrologia. 2012;44(Suppl 1):226–230.
  5. Department of Standards Malaysia. MS 2409:2011. Phytopharmaceutical aspect of freeze dried water extract from Tongkat Ali roots — Specification. 2011.
  6. Maughan RJ, Burke LM, Dvorak J, et al. IOC consensus statement: dietary supplements and the high-performance athlete. Br J Sports Med. 2018;52(7):439–455.
  7. George A, Henkel R. Phytoandrogenic properties of Eurycoma longifolia as natural alternative to testosterone replacement therapy. Andrologia. 2014;46(7):708–721.