Der Begriff Elektrolyte steht heute auf Sportgetränken, Brausetabletten und Mineralwasser. Was verbirgt sich dahinter, weshalb reguliert der Körper ihre Konzentration so genau und wann sind sie für Sportler wichtig? Die Redaktion erklärt die Grundlagen von der Zellmembran bis zum Marathon.
Was sind Elektrolyte?
Chemisch betrachtet zerfällt ein Elektrolyt in wässriger Lösung in geladene Teilchen, sogenannte Ionen, und ermöglicht dadurch elektrische Leitfähigkeit. Im Körper sind vor allem Natrium-, Kalium-, Chlorid-, Kalzium- und Magnesiumionen sowie Bicarbonat und Phosphate wichtig.
Diese Ionen sind ungleich auf die Flüssigkeitsräume verteilt. Natrium und Chlorid überwiegen außerhalb der Zellen, also im Blutplasma und Zwischenzellraum. Kalium und Magnesium befinden sich hauptsächlich innerhalb der Zellen. Gerade diese Konzentrationsunterschiede ermöglichen grundlegende Zellfunktionen.
Der Körper hält die Blutwerte in engen Grenzen. Natrium liegt im Serum beispielsweise ungefähr bei 135 bis 145 mmol/l, Kalium bei 3,5 bis 5,0 mmol/l. Bereits mäßige Abweichungen können Schwäche, Verwirrtheit oder Herzrhythmusstörungen verursachen.
Im Alltag bezeichnet man mit Elektrolyten häufig salzhaltige Getränkezusätze. Das ist eine praktische Kurzform. Tatsächlich sind Elektrolyte grundlegende Bestandteile des Körpermilieus, die täglich über Nahrung und Getränke aufgenommen werden.
| Elektrolyt | Hauptsächlicher Ort | Wichtige Funktionen | Typische Nahrungsquellen |
|---|---|---|---|
| Natrium (Na⁺) | Außerhalb der Zellen | Blutvolumen, osmotischer Druck, Nervenimpulse | Kochsalz, Brot, Käse, Konserven |
| Kalium (K⁺) | Innerhalb der Zellen | Membranpotenzial und Herzfunktion | Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Kartoffeln |
| Chlorid (Cl⁻) | Außerhalb der Zellen | Säure-Basen-Haushalt und Magensäure | Kochsalz |
| Magnesium (Mg²⁺) | Zellen und Knochen | Enzymfunktionen und ATP-Reaktionen | Nüsse, Vollkornprodukte, grünes Gemüse |
| Kalzium (Ca²⁺) | Knochen und extrazelluläre Flüssigkeit | Muskelkontraktion und Blutgerinnung | Milchprodukte, Kohl, Mandeln |
Wie Elektrolyte den Flüssigkeitshaushalt steuern
Wasser folgt gelösten Stoffen nach den Gesetzen der Osmose. Als wichtigstes Kation außerhalb der Zellen bestimmt Natrium wesentlich das Volumen von Plasma und Zwischenzellflüssigkeit. Ein Natriumverlust kann deshalb mit einem Verlust an Flüssigkeitsvolumen einhergehen.
Die Nieren übernehmen die Feinregulation. Bei Natrium- und Wassermangel wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System aktiviert. Aldosteron fördert die Natriumrückhaltung. Gleichzeitig vermindert das antidiuretische Hormon Vasopressin die Wasserausscheidung, und das Durstgefühl nimmt zu.
Wer deutlich mehr Wasser trinkt als verliert, kann den Natriumgehalt des Blutes verdünnen und eine Hyponatriämie entwickeln. Wasser gelangt dann in die Zellen, auch in Gehirnzellen, die dadurch anschwellen können. Übermäßiges Trinken während langer Wettkämpfe kann deshalb gefährlich sein.
Kalium wirkt auf der anderen Seite der Membran: Innerhalb der Zellen ist seine Konzentration um ein Vielfaches höher als im Plasma. Schon geringe Änderungen im Blut können die Erregbarkeit beeinflussen, weshalb der Körper Kalium besonders sorgfältig reguliert.

Nerven, Muskeln und die Natrium-Kalium-Pumpe
Zellen verbrauchen einen erheblichen Teil ihrer Energie für die Natrium-Kalium-ATPase. Diese Membranpumpe transportiert pro Zyklus drei Natriumionen hinaus und zwei Kaliumionen hinein. Dafür wird die Energie eines ATP-Moleküls genutzt. So werden die Konzentrationsunterschiede und das Membranpotenzial aufrechterhalten.
Bei einem Nervensignal öffnen sich Natriumkanäle. Natrium strömt ein und löst ein Aktionspotenzial aus. Anschließend strömt Kalium aus, wodurch die Membran in ihren Ausgangszustand zurückkehrt. Dieser Mechanismus ist an Bewegung, Denken und Herzschlag beteiligt.
Im Muskel führt das Nervensignal zur Freisetzung von Kalzium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum. Kalzium ermöglicht die Interaktion von Aktin und Myosin und damit die Kontraktion. Zur Entspannung muss es zurückgepumpt werden. Auch dafür werden ATP und Magnesium als wichtiger Kofaktor benötigt.
Elektrolytstörungen zeigen sich deshalb besonders an Nerven, Muskeln und Herz, etwa durch Schwäche, Kribbeln oder Rhythmusstörungen. Nicht jeder Muskelkrampf bedeutet jedoch automatisch einen Elektrolytmangel; der Ausgangstext verweist dazu auf einen gesonderten Beitrag.
Was beim Training mit Elektrolyten geschieht
Bei körperlicher Belastung gehen Elektrolyte hauptsächlich über den Schweiß verloren. Dieser entsteht aus Plasma, doch die Schweißdrüsen nehmen einen Teil des Natriums wieder auf. Schweiß ist daher meist hypoton und enthält deutlich weniger Natrium als Blut. Die Verluste an Kalium, Magnesium und Kalzium sind vergleichsweise klein.
Baker (2017) beschreibt große individuelle Unterschiede sowohl bei der Schweißmenge als auch beim Natriumgehalt. Unter intensiver Belastung in Hitze verliert eine Person mehr als einen Liter pro Stunde, eine andere nur einige Hundert Milliliter. Bei stark salzhaltigem Schweiß können nach dem Training weiße Ränder auf der Kleidung zurückbleiben.
Weil Schweiß hypoton ist, kann die Natriumkonzentration im Blut bei mäßigem Schweißverlust zunächst leicht steigen. Bei langen Belastungen summieren sich die Natriumverluste jedoch. Wird gleichzeitig mehr Flüssigkeit aufgenommen als ausgeschieden werden kann, steigt das Risiko einer Hyponatriämie; eine Natriumzufuhr allein verhindert die Folgen übermäßigen Trinkens nicht zuverlässig.
Die Stellungnahmen des American College of Sports Medicine (Sawka et al., 2007) und der National Athletic Trainers’ Association (McDermott et al., 2017) empfehlen eine individuelle Einschätzung der Flüssigkeitsverluste, beispielsweise durch Wiegen vor und nach dem Training, und die Berücksichtigung von Natrium bei langen oder sehr heißen Belastungen.
- Natriumverluste sind unter den Elektrolytverlusten besonders groß und unterscheiden sich stark zwischen Personen.
- Hitze, Luftfeuchtigkeit, Intensität und Dauer erhöhen die Schweißbildung.
- Mit der Anpassung an Hitze nimmt die Natriumkonzentration im Schweiß häufig ab.
- Training unter einer Stunde bei gemäßigten Bedingungen erfordert nur selten eine besondere Elektrolytergänzung.
Nahrungsquellen und mögliche Einsatzbereiche von Ergänzungen
Bei den meisten Menschen deckt die gewöhnliche Ernährung den Bedarf. Natrium wird häufig sogar übermäßig aufgenommen. Die WHO empfiehlt Erwachsenen weniger als 2 g Natrium täglich, entsprechend ungefähr 5 g Salz. Die Kaliumaufnahme ist dagegen oft zu niedrig.
Elektrolytgetränke können bei besonderen Belastungen sinnvoll sein: bei Training oder Wettkämpfen über ein bis zwei Stunden, Hitze, mehreren Trainingseinheiten pro Tag oder einer erforderlichen raschen Flüssigkeitserholung. Sie können helfen, verlorenes Natrium zu ersetzen und aufgenommene Flüssigkeit besser zu halten.
Shirreffs et al. (1996) zeigten, dass nach Belastung ein natriumreicheres Getränk besser im Körper zurückgehalten wurde als Wasser. Die Urinausscheidung war geringer und der Flüssigkeitshaushalt erholte sich schneller. Diese Ergebnisse gingen in Empfehlungen zur Rehydratation ein.
Medizinische orale Rehydratationslösungen bei Durchfall und Erbrechen bilden eine eigene Kategorie. Ihr genau abgestimmtes Verhältnis von Natrium und Glukose erleichtert die Wasseraufnahme im Darm. Sportgetränke nutzen verwandte Mechanismen, haben aber andere Zusammensetzungen und sind nicht automatisch ein gleichwertiger Ersatz.
Fazit der Redaktion
Elektrolyte sind geladene Ionen wie Natrium, Kalium, Chlorid, Magnesium und Kalzium. Sie steuern Wasserverteilung, Nervenimpulse, Muskelkontraktion und Herzfunktion. Nieren und Hormone halten ihre Konzentrationen in engen Grenzen.
Bei sportlicher Belastung geht mit dem Schweiß vor allem Natrium verloren. Die Menge ist individuell sehr verschieden. Für kurze Einheiten reichen meist normale Mahlzeiten und Wasser. Bei langen Belastungen und Hitze sollte die Flüssigkeits- und Natriumzufuhr passend geplant werden.
Ein besonders gefährliches Szenario ist übermäßiges Trinken während langer Wettkämpfe mit daraus entstehender Hyponatriämie. Die Trinkstrategie sollte deshalb individuell zu den tatsächlichen Verlusten passen.
Der Ausgangstext nennt ergänzende Beiträge zur Anwendung von Elektrolyten, zur sportwissenschaftlichen Studienlage und zu verbreiteten Mythen.
Literaturverzeichnis
- Sawka MN, Burke LM, Eichner ER, et al. American College of Sports Medicine position stand. Exercise and fluid replacement. Med Sci Sports Exerc. 2007;39(2):377â390.
- McDermott BP, Anderson SA, Armstrong LE, et al. National Athletic Trainers' Association position statement: fluid replacement for the physically active. J Athl Train. 2017;52(9):877â895.
- Baker LB. Sweating rate and sweat sodium concentration in athletes: a review of methodology and intra/interindividual variability. Sports Med. 2017;47(Suppl 1):111â128.
- Shirreffs SM, Taylor AJ, Leiper JB, Maughan RJ. Post-exercise rehydration in man: effects of volume consumed and drink sodium content. Med Sci Sports Exerc. 1996;28(10):1260â1271.
- World Health Organization. Guideline: Sodium intake for adults and children. Geneva: WHO; 2012.
- Hew-Butler T, Rosner MH, Fowkes-Godek S, et al. Statement of the Third International Exercise-Associated Hyponatremia Consensus Development Conference, Carlsbad, California, 2015. Clin J Sport Med. 2015;25(4):303â320.
- Hall JE, Hall ME. Guyton and Hall Textbook of Medical Physiology. 14th ed. Philadelphia: Elsevier; 2021.




