Originalquelle zum Zulassungsstatus

Die FDA beschreibt als SARMs vermarktete Bodybuilding-Produkte als nicht zugelassene Arzneimittel. Die Behördeninformation stellt keinen Nachweis einer sicheren Anwendung dar.

„SARMs wirken wie Steroide, nur ohne Nebenwirkungen“ gehört zu den verbreiteten Werbeaussagen im Sportbereich. Die Redaktion vergleicht beide Stoffgruppen: chemische Struktur, medizinischen Status, Wirkungen, rechtliche Einordnung und Nachweis im Dopingkontrollsystem.

Welche Stoffgruppen sind gemeint?

Anabol-androgene Steroide (AAS) umfassen Testosteron und seine synthetischen Derivate, etwa Nandrolon, Stanozolol, Oxandrolon, Metandienon und Trenbolon. Sie besitzen ein Steroidgerüst aus vier Ringen und wirken über den Androgenrezeptor, teilweise zusätzlich über ihre Stoffwechselprodukte.

Selektive Androgenrezeptormodulatoren, kurz SARMs, wurden entwickelt, um anabole Wirkungen an Muskeln und Knochen bei geringerem Einfluss auf andere Gewebe zu erzielen. Viele bekannte Vertreter wie Enobosarm beziehungsweise Ostarin, LGD-4033 beziehungsweise Ligandrol und RAD-140 haben eine nicht steroidale Struktur.

Beide Gruppen greifen am selben Ziel an: am Androgenrezeptor. SARMs sind somit andere Moleküle für denselben Rezeptor. Daraus ergeben sich Überschneidungen sowohl bei erwünschten als auch bei unerwünschten Wirkungen.

Mitunter werden Stoffe als SARMs bezeichnet, die keine sind. Cardarin (GW501516) aktiviert PPAR-δ, während Ibutamoren (MK-677) die Wachstumshormonausschüttung stimuliert. Sie werden häufig neben SARMs verkauft, besitzen aber andere Wirkmechanismen.

Chemie und Entwicklungsgeschichte

Die Geschichte der AAS beginnt mit der Isolierung und Synthese von Testosteron in den 1930er-Jahren. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden zahlreiche Derivate mit dem Ziel, anabole Wirkungen zu verstärken und androgene zu verringern. Eine vollständige Trennung gelang nicht; alle AAS behalten androgene Aktivität.

SARMs wurden seit Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre als neuer Ansatz derselben Idee untersucht. Statt das Steroidgerüst zu verändern, entwickelte man nicht steroidale Rezeptorliganden. Diese werden nicht wie Testosteron durch 5α-Reduktase und Aromatase umgewandelt, was theoretisch eine stärkere Gewebeselektivität ermöglicht.

193019501970199020102020+ AAS: von der Testosteronsynthese zu zugelassenen Arzneimitteln SARMs: präklinische und klinische EntwicklungKeine zugelassenen SARM-Arzneimittel
Abb. 1. Schematischer Vergleich der Entwicklung: AAS werden seit fast einem Jahrhundert medizinisch genutzt, SARMs seit rund zwei Jahrzehnten ohne entsprechende Zulassung erforscht. Die Zeitgrenzen sind vereinfacht.

Bei AAS spielt die Darreichungsform eine große Rolle. Es gibt injizierbare Ester und oral wirksame 17α-alkylierte Verbindungen mit bekannter Lebertoxizität. SARMs werden meist oral untersucht, besitzen als nicht steroidale Moleküle jedoch keine entsprechende 17α-Alkylgruppe.

Die chemischen Unterschiede beeinflussen auch den Nachweis. Für AAS wurden über Jahrzehnte Kenntnisse zu Metaboliten gesammelt. Methoden für SARMs entstanden später, parallel zum Auftauchen dieser Stoffe auf dem illegalen Markt.

Illustration zum Beitrag: SARMs und anabole Steroide: die Unterschiede
Foto: Corey Young / Unsplash

Medizinischer Status und Studienlage

Ein wesentlicher praktischer Unterschied ist der Zulassungsstatus. Testosteron ist zur Behandlung eines Hypogonadismus zugelassen; dazu existieren klinische Leitlinien, etwa der Endocrine Society (Bhasin et al., 2018). Auch manche andere AAS hatten oder haben in einzelnen Ländern zugelassene medizinische Anwendungen.

Der Ausgangstext beschreibt SARMs als nicht zugelassene experimentelle Wirkstoffe. Enobosarm erreichte Phase III, LGD-4033 Phase II und RAD-140 frühe onkologische Humanstudien. Die dort beschriebenen Entwicklungsstände sind keine Zulassung; belastbare langfristige Sicherheitsdaten fehlen.

KriteriumAnabole SteroideSARM
StrukturSteroidalÜberwiegend nicht steroidal
ZielstrukturAndrogenrezeptor; bei manchen zusätzlich DHT und Estradiol als MetabolitenAndrogenrezeptor
Zugelassene ArzneimittelJa, etwa Testosteron und einzelne weitere WirkstoffeNein
Klinische LeitlinienVorhanden, insbesondere für TestosteronKeine entsprechenden Anwendungsleitlinien
Langfristige DatenVorhanden, häufig aus AnwenderstudienWeitgehend fehlend
Status im SportVerboten unter WADA S1.1Verboten unter WADA S1.2

Gerade die umfangreichere Forschung ermöglicht eine genauere Beschreibung der AAS-Risiken. Sie wurden in klinischen Studien, Anwenderkohorten und bei Autopsien untersucht. Pope et al. (2014) fassten diese Daten für die Endocrine Society zusammen. Ein vergleichbarer Datenbestand fehlt für SARMs. Weniger beschriebene Schäden bedeuten deshalb vor allem weniger Forschung.

Schon die begrenzten klinischen SARM-Daten zeigen bekannte Androgeneffekte: niedrigere HDL-Werte, unterdrücktes Testosteron und Auswirkungen auf die Leber. Die Risikoprofile überschneiden sich somit zumindest teilweise.

Recht, Doping und Produktqualität

In vielen Ländern unterliegen AAS besonderen arzneimittel- oder kontrollstoffrechtlichen Vorschriften. Für SARMs unterscheidet sich die Rechtslage je nach Land; die Kennzeichnung „nur für Forschungszwecke“ macht sie jedoch weder zu zugelassenen Arzneimitteln noch automatisch zu erlaubten Nahrungsergänzungsmitteln.

Die FDA warnte ausdrücklich vor als Bodybuilding-Produkte vermarkteten SARMs und vor schweren Risiken insbesondere für Leber und Herz. Sie ging auch gegen Anbieter entsprechender Produkte vor.

  • Beide Gruppen sind nach den WADA-Regeln jederzeit verboten: AAS unter S1.1 und SARMs unter S1.2, den anderen anabolen Substanzen.
  • Für beide Gruppen existieren empfindliche Nachweisverfahren, darunter Verfahren für länger nachweisbare Metaboliten.
  • Bei beiden Gruppen wurden Kontaminationen von Nahrungsergänzungsmitteln mit positiven Dopingproben dokumentiert.

Die Qualität illegal angebotener Produkte ist ein gemeinsames Problem. Van Wagoner et al. (2017) fanden bei zahlreichen als SARMs verkauften Produkten abweichende Inhaltsstoffe oder Mengen. Vergleichbare Probleme sind auch von illegal produzierten AAS bekannt.

Die Unterschiede hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität sind damit oft geringer als die Werbung suggeriert. Bei Produkten außerhalb kontrollierter Arzneimittelversorgung besteht keine zuverlässige Gewissheit über Inhalt, Menge oder gegebenenfalls Sterilität.

Mythen über eine legale Alternative

„SARMs sind legal.“ Eine fehlende ausdrückliche Verkaufsregel in einem bestimmten Land ist keine Zulassung für Menschen. Die Einordnung als Arzneimittel oder Ergänzung richtet sich nach den jeweils geltenden Vorschriften. Im Anti-Doping-System sind SARMs ebenso verboten wie AAS.

„SARMs haben keine Nebenwirkungen.“ Bereits kleine, kurze Studien fanden niedrigere HDL- und Testosteronwerte. Zudem gibt es medizinische Berichte über Leberschäden nach SARM-Produkten.

„SARMs unterdrücken die eigenen Hormone nicht.“ Androgenrezeptoragonisten können über Hypothalamus und Hypophyse die hormonelle Rückkopplung beeinflussen. Das Ausmaß hängt von Stoff, Menge und Dauer ab; die Unterdrückung selbst ist dokumentiert.

„SARMs sind einfach schwächere Steroide.“ Auch das ist zu stark vereinfacht. Nicht steroidale SARMs bilden kein Estradiol oder DHT. Manche durch Aromatisierung bedingten Effekte sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Gleichzeitig kann fehlende Östrogenwirkung eigene Folgen haben, und Langzeiteffekte sind kaum untersucht.

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ist keine Anwendungsempfehlung. AAS sind verschreibungspflichtige oder besonders regulierte Substanzen; SARMs sind experimentelle Wirkstoffe ohne entsprechende Zulassung. Beide Gruppen sind im Sport verboten. Hormonelle Beschwerden gehören in ärztliche Behandlung.

Fazit der Redaktion

SARMs und AAS wirken am Androgenrezeptor, unterscheiden sich jedoch in Struktur, Stoffwechsel, medizinischem Status und Umfang der Forschung.

Für einige Steroide gibt es zugelassene medizinische Anwendungen und umfangreiche Risikodaten. Die SARM-Sicherheit ist dagegen nur bruchstückhaft untersucht. Bereits diese Daten zeigen Hormonunterdrückung, HDL-Abfall und mögliche Leberschäden.

Die pauschale Werbung mit einer legalen und sicheren Alternative wird durch diese Erkenntnisse nicht gestützt.

Der Ausgangstext empfiehlt weitere Vergleiche zu Wirkmechanismen und Nebenwirkungen, zu Ostarin und Ligandrol sowie einen Überblick über die WADA-Verbotsliste.

Literaturverzeichnis

  1. Kicman AT. Pharmacology of anabolic steroids. Br J Pharmacol. 2008;154(3):502–521.
  2. Pope HG Jr, Wood RI, Rogol A, et al. Adverse health consequences of performance-enhancing drugs: an Endocrine Society scientific statement. Endocr Rev. 2014;35(3):341–375.
  3. Narayanan R, Coss CC, Dalton JT. Development of selective androgen receptor modulators (SARMs). Mol Cell Endocrinol. 2018;465:134–142.
  4. Bhasin S, Brito JP, Cunningham GR, et al. Testosterone therapy in men with hypogonadism: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2018;103(5):1715–1744.
  5. Van Wagoner RM, Eichner A, Bhasin S, et al. Chemical composition and labeling of substances marketed as selective androgen receptor modulators and sold via the Internet. JAMA. 2017;318(20):2004–2010.
  6. Kanayama G, Pope HG Jr. History and epidemiology of anabolic androgens in athletes and non-athletes. Mol Cell Endocrinol. 2018;464:4–13.
  7. World Anti-Doping Agency. The World Anti-Doping Code: International Standard — Prohibited List. Montreal: WADA; current edition.