Originalquellen zur Einordnung

S-23 wird in der WADA-Verbotsliste 2026 unter S1.2 ausdrücklich genannt. Die FDA warnt vor nicht zugelassenen SARM-Produkten und möglichen schweren Gesundheitsfolgen.

Über S23 wird entweder auffallend sorglos gesprochen, etwa mit der Behauptung, SARMs seien sicher, oder anhand anonymer Erfahrungsberichte. Die Redaktion ordnet die Risiken nach ihrer Beleglage: präklinische Daten zu S23 selbst, klinische Studien verwandter SARMs und medizinische Berichte über Produkte dieser Klasse.

Warum so wenig über die Sicherheit bekannt ist

Das Sicherheitsprofil eines Arzneimittels entsteht schrittweise durch Tierversuche, klinische Studien und die Überwachung nach der Zulassung. S23 ist nach den im Ausgangstext dargestellten Daten nicht über die präklinische Phase hinausgekommen. Systematische Daten zu Nebenwirkungen beim Menschen fehlen deshalb.

Die ausführliche präklinische Veröffentlichung von 2009 untersuchte vor allem die mögliche Verwendung als Verhütungsmittel und die Wirkung auf Zielorgane. Sie war kein vollständiges toxikologisches Dossier, wie es vor ersten Humanstudien erforderlich wäre. Selbst die tierexperimentelle Datenlage ist damit unvollständig.

Die Risikobeurteilung stützt sich folglich auf die Pharmakologie des Moleküls, Untersuchungen anderer SARMs und Fallberichte bei Anwendern entsprechend gekennzeichneter Produkte. Jede dieser Quellen hat Grenzen, die bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.

Befragungen wie die von Efimenko et al. (2022) zeigen, dass viele SARM-Anwender unerwünschte Wirkungen berichten, darunter Stimmungsschwankungen, kleinere Hoden, Akne und Libidoverlust. Diese Angaben sind subjektiv, passen jedoch zu den erwartbaren Wirkungen der Stoffklasse.

Hormonsystem und Fruchtbarkeit

Die Unterdrückung der hormonellen Achse ist für S23 im Tiermodell dokumentiert. Bei Ratten senkte die Substanz LH und FSH, hemmte die Spermienbildung und führte zu Unfruchtbarkeit. Gerade dieser Effekt wurde als Grundlage eines möglichen männlichen Verhütungsmittels untersucht.

Für Menschen ergibt sich daraus die begründete Erwartung einer verminderten körpereigenen Testosteronproduktion während und nach der Anwendung. Müdigkeit, Libido- und Erektionsstörungen, gedrückte Stimmung und Muskelverlust können insbesondere nach dem Absetzen auftreten, wenn die zugeführte Substanz ausgeschieden ist, die eigene Achse aber noch nicht wieder arbeitet.

Für junge Männer mit Kinderwunsch ist der Einfluss auf die Fruchtbarkeit besonders wichtig. Bei den Versuchstieren war er reversibel, die Erholungsdauer beim Menschen ist jedoch unbekannt. Erfahrungen mit anabolen Steroiden zeigen, dass sich die Spermienbildung teilweise erst nach Monaten erholt oder eine andrologische Behandlung erforderlich wird.

S23 wird nicht zu Estradiol umgewandelt und kann gleichzeitig das körpereigene Testosteron unterdrücken. Theoretisch ist deshalb auch ein relativer Östrogenmangel möglich. Estradiol ist bei Männern für Knochen, Fettstoffwechsel und Sexualfunktion wichtig. Der Ausgangstext verweist hierzu auf einen gesonderten Beitrag über Testosteron und S23.

Illustration zum Beitrag: Nebenwirkungen von S23
Foto: Ivan Aviles / Unsplash

Stoffwechsel- und Organrisiken

Bei klinisch untersuchten SARMs wie Enobosarm und LGD-4033 wurde wiederholt ein Rückgang des HDL-Cholesterins beobachtet. Dies ist ein bekannter Androgeneffekt, besonders bei oraler Anwendung. Es gibt keine Grundlage, S23 hiervon auszunehmen. Niedrige HDL-Werte sind mit kardiovaskulären Risiken assoziiert.

Ein weiterer Bereich ist die Leber. Medizinische Fallberichte beschreiben arzneimittelbedingte Leberschäden nach SARM-Produkten, häufig mit cholestatischem Muster. Berichtet wurde unter anderem über LGD-4033 und RAD140. Spezifische S23-Berichte sind rar; wegen unkontrollierter Produktzusammensetzungen lässt sich ein entsprechendes Risiko aber nicht ausschließen.

Herkunft der RisikodatenUnterdrückung von LH/FSHS23-TierdatenUnfruchtbarkeitS23-TierdatenNiedrigeres HDLHumanstudien anderer SARMsLeberschädenSARM-FallberichteHerz und ThrombosenÜbertragung aus anderen Daten
Abb. 1. Datenquellen für die verschiedenen Risikogruppen. Die Balken verdeutlichen die ungefähre Belegstärke, nicht die Häufigkeit einer Nebenwirkung.

Direkte Daten zu Herz und Gefäßen unter S23 fehlen. Niedrigeres HDL, ein möglicher Blutdruckanstieg und direkte Androgenwirkungen auf den Herzmuskel ergeben jedoch einen plausiblen Risikomechanismus. Dies ist besonders bei familiärer Vorbelastung relevant.

Androgene beeinflussen außerdem die Blutbildung. Für Testosteron ist ein Anstieg des Hämatokrits gut bekannt. Bei SARMs sind die Daten begrenzt und uneinheitlich. Für S23 ist dies deshalb als mögliches, nicht als nachgewiesenes Risiko einzuordnen.

Haut, Haare, Psyche und der weibliche Körper

S23 wird zwar nicht zu Dihydrotestosteron umgewandelt, aktiviert aber selbst den Androgenrezeptor. Bei entsprechender Veranlagung können daher Akne, fettigere Haut und beschleunigter androgenetischer Haarausfall auftreten. Solche Beschwerden werden in Anwenderbefragungen regelmäßig genannt.

Auch Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Schlafprobleme werden berichtet. Nach dem Absetzen können Stimmung und Motivation abfallen, möglicherweise durch niedrigeres Testosteron. Objektive Untersuchungen psychiatrischer S23-Effekte liegen nicht vor.

Für Frauen bestehen besondere Risiken. Androgenrezeptoragonisten können Vermännlichungserscheinungen verursachen: tiefere Stimme, mehr Gesichts- und Körperbehaarung, Klitorisvergrößerung und Zyklusstörungen. Erfahrungen mit Androgenen zeigen, dass insbesondere Stimmveränderungen dauerhaft bleiben können.

Die folgende Tabelle fasst mögliche Risiken und geeignete Untersuchungsbereiche zusammen:

BereichMöglicher EffektMögliche Abklärung
HormonsystemUnterdrückung von Testosteron, LH und FSHHormonlabor und endokrinologische Beratung
FortpflanzungWeniger Spermien, UnfruchtbarkeitSpermiogramm
Blutfette und HerzNiedrigeres HDL, BlutdruckveränderungenLipidprofil und Blutdruckmessung
LeberCholestatische SchädigungALT, AST, alkalische Phosphatase und Bilirubin
Haut und HaareAkne und HaarausfallDermatologische Untersuchung
FrauenVirilisierungGynäkologisch-endokrinologische Untersuchung

Risiken der Produkte selbst

Selbst ein hypothetisch vertretbares Sicherheitsprofil des reinen Moleküls würde die Risiken angebotener Produkte nicht beseitigen. Untersuchungen von SARM-Produkten fanden häufig andere Stoffe, abweichende Mengen oder keinen der angegebenen Wirkstoffe.

Besonders problematisch wäre eine Beimischung methylierter oraler anaboler Steroide oder anderer stärker leberschädigender Substanzen. Dann gelten die Erwartungen an S23 nicht mehr: Die betroffene Person nimmt einen unbekannten Stoff in unbekannter Menge auf.

Flüssige Produkte bringen zusätzliche Unsicherheiten durch Lösungsmittel, Konservierungsstoffe und mögliche mikrobielle Verunreinigungen mit sich. Die Kennzeichnung als Forschungsreagenz garantiert keine für die Anwendung beim Menschen geeignete Reinheit oder Sterilität. Verbraucher können dies nicht selbst zuverlässig prüfen.

Besonders hohe Risiken bestehen nach Einordnung der Redaktion bei folgenden Gruppen:

  • Jugendliche und junge Menschen mit noch nicht abgeschlossener hormoneller Entwicklung.
  • Männer mit Kinderwunsch in naher Zukunft.
  • Frauen wegen möglicher irreversibler Virilisierung.
  • Menschen mit Leber-, Herz- oder Fettstoffwechselerkrankungen.
  • Dopingkontrollierte Sportler.
Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ist keine Anwendungsempfehlung. S23 ist kein zugelassenes Arzneimittel; belastbare Humanstudien fehlen. SARMs sind nach den WADA-Regeln verboten. Lassen Sie die beschriebenen Beschwerden ärztlich abklären.

Fazit der Redaktion

Die am besten dokumentierten S23-Risiken betreffen im Tiermodell die Unterdrückung von Gonadotropinen und Fruchtbarkeit. Diese Wirkungen waren Teil der ursprünglichen Entwicklung als mögliches Verhütungsmittel.

HDL-Abfall und Leberschäden sind aus Studien und Fallberichten zu anderen SARMs bekannt. Sie sind auch bei S23 plausibel, ohne dass direkte Humanstudien vorliegen.

Unkontrollierte Produktinhalte schaffen zusätzliche Risiken, weil eine andere als die angegebene Substanz enthalten sein kann. Fehlende Sicherheitsdaten sind kein Sicherheitsnachweis.

Der Ausgangstext verweist ergänzend auf Beiträge zur möglichen Lebertoxizität, zum Einfluss auf Blutfette und Herz sowie zur Testosteronunterdrückung unter S23.

Literaturverzeichnis

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