Nasenbluten, medizinisch Epistaxis, gehört zu den häufigsten kleineren Notfällen. Bei Sportlern können Schläge, trockene Luft in Hallen oder Höhenlagen, Belastungen bei erhöhtem Blutdruck sowie Medikamente und Ergänzungen mit Einfluss auf Gefäße oder Gerinnung eine Rolle spielen. Die Redaktion erklärt die Zusammenhänge.

Anatomie: Wo die Blutung entsteht

Die Nasenschleimhaut besitzt ein dichtes Gefäßnetz, um die Atemluft zu erwärmen und anzufeuchten. Im vorderen Bereich der Nasenscheidewand bilden mehrere Arterien den sogenannten Locus Kiesselbachi beziehungsweise Little-Plexus. Die oberflächlichen Gefäße werden durch Trockenheit oder mechanische Reize leicht verletzt.

Die amerikanische HNO-Leitlinie von Tunkel et al. (2020) beschreibt, dass ungefähr 60 Prozent der Menschen mindestens einmal im Leben Nasenbluten erleben. Nur ein kleiner Teil benötigt medizinische Hilfe. Etwa 90 Prozent der Blutungen entstehen im vorderen Bereich und lassen sich häufig durch Druck stillen.

Hintere Blutungen stammen aus tiefer gelegenen Gefäßästen, insbesondere der Arteria sphenopalatina. Sie sind seltener, können aber stärker ausfallen und Blut in den Rachen fließen lassen. Häufig ist eine häusliche Versorgung nicht ausreichend. Sie kommen eher bei älteren Menschen, Bluthochdruck oder gerinnungshemmender Behandlung vor.

Für eine Blutung sind zwei Bereiche wichtig: die Gefäßwand und die Fähigkeit, rasch einen stabilen Blutpfropf zu bilden. Trockenheit, Verletzung oder Entzündung schädigen die Schleimhaut; weitere Faktoren können die Blutstillung erschweren. Medikamente können an beiden Stellen eingreifen. Deshalb ist eine vollständige Übersicht der eingenommenen Mittel wichtig.

Sportliche und äußere Auslöser

Naheliegend ist eine Verletzung, etwa beim Boxen, Kampfsport, Eishockey, Rugby oder Fußball. Ein Schlag kann neben Nasenbluten auch einen Bruch oder ein Septumhämatom verursachen. Ein Bluterguss der Nasenscheidewand muss rasch ärztlich beurteilt werden, da unbehandelt Knorpelschäden und Verformungen entstehen können.

Trockene Luft ist ein weiterer Faktor. Beheizte Hallen, Klimaanlagen, Frost und Höhenaufenthalte trocknen die Schleimhaut aus. Kleine Risse können dann schon beim Niesen oder Schnäuzen bluten. Bergsteiger, Skifahrer und Sportler im Höhentraining berichten häufig darüber.

  • Mechanische Ursachen: Schläge, Manipulation in der Nase, kräftiges Schnäuzen oder Fremdkörper.
  • Umwelteinflüsse: trockene oder kalte Luft, Höhe und reizendes Schwimmbadwasser.
  • Entzündungen: Atemwegsinfekte, allergischer Schnupfen und Nebenhöhlenentzündungen.
  • Örtliche Medikamente: lang anhaltende Anwendung abschwellender Tropfen oder ungünstige Sprührichtung bei Nasenkortikosteroiden.
  • Systemische Faktoren: Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen, Lebererkrankungen und hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie.

Allergien und Infekte reizen und verdicken die Schleimhaut. Dauerhafte Anwendung abschwellender Tropfen kann einen medikamentös bedingten Schnupfen und Schleimhautschäden verursachen. Nasale Kortikosteroide sind bei passender Anwendung wirksam, können aber bei direktem Sprühen auf die Scheidewand reizen. Die Sprührichtung sollte entsprechend der Anleitung zur seitlichen Nasenwand zeigen.

Intensive Belastung, besonders Krafttraining mit Pressatmung, erhöht den Blutdruck kurzzeitig. Bei bereits verletzter Schleimhaut oder dauerhaft erhöhtem Blutdruck kann während eines Satzes eine Blutung auftreten. Ein zeitlicher Zusammenhang allein klärt die Ursache jedoch nicht.

Illustration zum Beitrag: Nasenbluten bei Sportlern: Ursachen und Arzneimitteleinflüsse
Foto: Look Studio / Unsplash

Medikamente und Ergänzungen mit Einfluss auf die Gerinnung

Nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen werden bei Sportverletzungen häufig verwendet. Sie können die Thromboxanbildung und die Funktion der Blutplättchen vorübergehend beeinflussen. Acetylsalicylsäure hemmt die Plättchen dagegen irreversibel; die Wirkung hält bis zur Neubildung mehrere Tage an.

MittelWirkungEinordnung
AcetylsalicylsäureIrreversible Hemmung der BlutplättchenaggregationWirkung über mehrere Tage nach der letzten Einnahme
Andere NSARReversible Beeinflussung der PlättchenfunktionRisiko kann bei Kombinationen steigen
AntikoagulanzienHemmung der GerinnselbildungWichtiger Faktor bei wiederkehrenden Blutungen
Hoch dosierte Omega-3-PräparateMöglicher Einfluss auf die PlättchenfunktionKlinische Bedeutung meist gering; konkrete Kombination beachten
Hoch dosiertes Vitamin E, Ginkgo oder KnoblauchMöglicher Einfluss auf die AggregationUneinheitliche Daten; bei gleichzeitigen Medikamenten berücksichtigen

Fischöl in üblichen Mengen verursacht allein selten Blutungen. Bei mehreren gleichzeitig verwendeten Mitteln, etwa Schmerzmitteln, Omega-3, Vitamin E oder pflanzlichen Präparaten, sollte die Gesamtkombination dennoch ärztlich geprüft werden. Vor Operationen und zahnärztlichen Eingriffen sind vollständige Angaben wichtig.

Nicht medizinisch verwendete intranasale Substanzen wie Kokain können die Schleimhaut direkt schädigen. Starke Gefäßverengung führt zu Minderdurchblutung; bei wiederholter Anwendung kann die Nasenscheidewand durchbrochen werden. Kokain birgt zudem erhebliche Herz-Kreislauf-Risiken und unterliegt den Anti-Doping-Verboten.

Anabole Steroide, Stimulanzien und Blutdruck

Ein Zusammenhang anabol-androgener Steroide mit Nasenbluten kann indirekt bestehen. Überphysiologische Mengen erhöhen bei manchen Anwendern den Blutdruck und die Bildung roter Blutkörperchen. Pope et al. (2014) beschreiben Bluthochdruck und Erythrozytose als mögliche Folgen. Diese Befunde erklären eine Blutung jedoch nicht allein und müssen im Einzelfall untersucht werden.

Orale 17α-alkylierte Steroide können die Leber schädigen. Da dort viele Gerinnungsfaktoren entstehen, kann eine schwere Leberschädigung die Blutstillung beeinträchtigen. Gleichzeitig wurden unter Steroiden auch gerinnungsfördernde Veränderungen und Thrombosen beschrieben. Die pauschale Erklärung, Steroide würden das Blut verdünnen, ist deshalb unzutreffend.

GefäßwandTrockenheit, Verletzung, EntzündungBluthochdruck, etwa unter AAS oder Stimulanzien BlutgerinnungNSAR, ASS und AntikoagulanzienErgänzungen und LebererkrankungenNasenbluten
Abb. 1. Schematische Darstellung der Gefäß- und Gerinnungsfaktoren sowie möglicher Arzneimitteleinflüsse.

Stimulanzien wie hohe Koffeinmengen, Synephrin, Ephedrin oder Clenbuterol können Puls und Blutdruck erhöhen. Gewöhnlicher Kaffeekonsum verursacht nur selten Nasenbluten. Bei unkontrolliertem Bluthochdruck können stimulierende Mittel zusammen mit schwerem Krafttraining jedoch eine zusätzliche Belastung darstellen.

Wachstumshormon und Insulin sind keine typischen unmittelbaren Ursachen von Nasenbluten. Wer verschreibungspflichtige Hormone ohne ärztliche Überwachung verwendet, kann jedoch unerkannte Probleme mit Blutdruck, Leber oder Blutwerten haben. Wiederholte Blutungen sind dann ein Anlass zur Untersuchung und nicht lediglich zum Wechsel eines Nasensprays.

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und empfiehlt keine Medikamentenanwendung. Häufiges oder starkes Nasenbluten muss ärztlich beurteilt werden.

Fazit der Redaktion

Die meisten Blutungen bei Sportlern entstehen vorne an der Nasenscheidewand und hängen mit Verletzungen, Trockenheit oder Entzündung zusammen. Sie sind oft begrenzt, können aber je nach Stärke und Begleitumständen ärztliche Hilfe erfordern.

Medikamente können die Blutstillung beeinflussen oder indirekt über Blutdruck und andere Veränderungen beitragen. Beispiele sind ASS, NSAR und Antikoagulanzien sowie bestimmte Kombinationen. Intranasale Drogen können die Schleimhaut unmittelbar zerstören.

Wiederholte Blutungen, Blutungen unter Medikamenten oder zusammen mit erhöhtem Blutdruck sollten Anlass geben, Blutdruck, Blutbild und gegebenenfalls Leber- und Gerinnungswerte ärztlich prüfen zu lassen.

Der Ausgangstext empfiehlt ergänzende Beiträge zu Vorbeugung und Diagnostik von Nasenbluten, zum Hämatokrit bei Sportlern und zu Bluthochdruck unter anabolen Steroiden.

Literaturverzeichnis

  1. Tunkel DE, Anne S, Payne SC, et al. Clinical practice guideline: nosebleed (epistaxis). Otolaryngol Head Neck Surg. 2020;162(1 Suppl):S1–S38.
  2. Kucik CJ, Clenney T. Management of epistaxis. Am Fam Physician. 2005;71(2):305–311.
  3. Pope HG Jr, Wood RI, Rogol A, et al. Adverse health consequences of performance-enhancing drugs: an Endocrine Society scientific statement. Endocr Rev. 2014;35(3):341–375.
  4. Ohlander SJ, Varghese B, Pastuszak AW. Erythrocytosis following testosterone therapy. Sex Med Rev. 2018;6(1):77–85.
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  6. World Anti-Doping Agency. The World Anti-Doping Code: International Standard — Prohibited List. Montreal: WADA; jährlich aktualisiert.