Kreatinin gehört zu den häufigsten Blutuntersuchungen und dient vor allem zur Beurteilung der Nieren. Bei Sportlern ist der Wert jedoch leicht fehlzuinterpretieren. Viel Muskelmasse, Kreatinpräparate, intensives Training und die Ernährung können ihn beeinflussen, ohne dass zwangsläufig eine Nierenerkrankung vorliegt. Die Redaktion erläutert Messung und Einordnung.

Was Kreatinin ist und woher es stammt

Kreatinin entsteht beim Abbau von Kreatin und Kreatinphosphat, die überwiegend in der Skelettmuskulatur gespeichert sind. Kreatinphosphat stellt bei Sprints oder schweren Kraftbelastungen rasch Energie zur Wiederherstellung von ATP bereit. Ein Teil des Kreatins wandelt sich täglich spontan, ohne Enzymwirkung, in Kreatinin um.

Nach klassischen Schätzungen werden täglich ungefähr 1,5 bis 2 Prozent des gesamten Kreatinpools umgewandelt. Da mehr als 90 Prozent des körpereigenen Kreatins in Muskeln liegen, hängt die gebildete Kreatininmenge stark von der Muskelmasse ab. Daher sind die Werte durchschnittlich bei Männern höher als bei Frauen und bei Kraftsportlern höher als bei wenig aktiven Menschen.

Kreatinin gelangt ins Blut und wird nahezu ausschließlich über die Nieren ausgeschieden. Es wird in den Nierenkörperchen frei filtriert und zusätzlich in geringerem Umfang über die Tubuli abgegeben. Dadurch eignet es sich als indirekter Hinweis auf die Reinigungsleistung der Nieren.

Auch Nahrung liefert Kreatinin. Beim Erhitzen von Fleisch wird ein Teil des Kreatins zu Kreatinin. Eine große Portion gegartes Fleisch wenige Stunden vor der Blutabnahme kann den Messwert deshalb merklich erhöhen. Dieser Einfluss wird bei der Interpretation häufig übersehen.

Der Blutwert ergibt sich somit aus dem Verhältnis von Bildung durch Muskelstoffwechsel, Ernährung und Ergänzungen zur Ausscheidung über die Nieren. Beide Seiten müssen berücksichtigt werden.

Was die Untersuchung zeigt

Serumkreatinin wird vor allem zur Schätzung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) genutzt, also des pro Minute filtrierten Plasmavolumens. Die GFR beschreibt die Nierenfunktion umfassender als Kreatinin allein. Da ihre direkte Messung aufwendig ist, wird sie häufig mit Formeln aus Kreatinin, Alter und Geschlecht geschätzt.

Der Zusammenhang zwischen Kreatinin und GFR ist nicht linear. Bei anfänglicher Funktionsabnahme kann Kreatinin nur wenig steigen; bei ausgeprägter Einschränkung nimmt es stärker zu. Ein Wert im Referenzbereich garantiert daher keine gesunden Nieren, während eine leichte Erhöhung allein noch keine Erkrankung beweist.

GFR: von rechts nach links abnehmendKreatinin im BlutDeutlicher Anstieg bei stark verminderter GFRBereich mit geringen Kreatininveränderungen
Abb. 1. Schematische inverse Beziehung zwischen Serumkreatinin und GFR. Die Grafik dient der Veranschaulichung und nicht der Berechnung.

Viele Labore berechnen automatisch eine geschätzte GFR, beispielsweise mit CKD-EPI-Gleichungen. Neben der Fassung von 2009 existiert eine 2021 entwickelte Gleichung ohne ethnischen Korrekturfaktor. Kombinationen aus Kreatinin und Cystatin C können besonders bei ungewöhnlicher Muskelmasse eine genauere Einschätzung ermöglichen. Welche Gleichung verwendet wird, hängt vom Labor ab.

Kreatinin wird meist in µmol/l oder mg/dl angegeben. Der Umrechnungsfaktor beträgt 88,4. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Methode. Als ungefähre Beispiele nennt der Ausgangstext 62 bis 106 µmol/l für erwachsene Männer und 44 bis 80 µmol/l für Frauen.

ParameterAussageGrenzen
SerumkreatininVerhältnis von Bildung und renaler AusscheidungBeeinflusst durch Muskelmasse, Nahrung und Ergänzungen
Kreatininbasierte eGFRGeschätzte FiltrationsrateKann bei sehr muskulösen Menschen zu niedrig ausfallen
Kreatinin-Clearance im 24-Stunden-UrinKreatininausscheidung zur Abschätzung der ClearanceSammelfehler und höherer Aufwand
Albumin-Kreatinin-Verhältnis im UrinHinweise auf eine Schädigung der NierenfilterKann nach starker Belastung vorübergehend steigen
Illustration zum Beitrag: Kreatinin: Was der Laborwert bei Sportlern aussagt
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

Warum Sportler eine besondere Gruppe sind

GFR-Formeln wurden überwiegend anhand von Menschen mit durchschnittlichem Körperbau entwickelt. Sehr muskulöse Personen bilden mehr Kreatinin und können trotz gesunder Nieren erhöhte Serumwerte haben. Eine rein kreatininbasierte Formel kann dies als verminderte Filtration interpretieren und eine niedrige eGFR ausgeben.

Baxmann et al. (2008) beobachteten bei größerer Muskelmasse und höherer körperlicher Aktivität deutlich höhere Kreatininwerte, während Cystatin C kaum von der Muskelmasse abhing. Dies erklärt, weshalb Kraftsportler manchmal auffällige Laborbefunde ohne entsprechende Nierenfunktionsstörung erhalten.

Auch eine fleisch- oder fischreiche Ernährung und Kreatinpräparate beeinflussen den Wert. Ein Teil des zusätzlich aufgenommenen Kreatins wird zu Kreatinin. Laut der ISSN-Stellungnahme von Kreider et al. (2017) beeinträchtigt Kreatin in den untersuchten üblichen Mengen die Nierenfunktion gesunder Menschen nicht. Ein erhöhter Wert muss trotzdem im jeweiligen klinischen Zusammenhang beurteilt werden.

Intensive oder lange Belastungen können Kreatinin vorübergehend durch erhöhten Kreatinphosphatumsatz, Muskelschädigung und Flüssigkeitsverschiebungen anheben. Flüssigkeitsmangel kann die Blutkonzentration zusätzlich erhöhen.

  • Muskelmasse kann den Ausgangswert dauerhaft erhöhen.
  • Kreatinergänzungen können den Wert während der Anwendung mäßig anheben.
  • Eine große Fleischmahlzeit kann über mehrere Stunden einen vorübergehenden Anstieg verursachen.
  • Schwere Belastung und Flüssigkeitsmangel können den Wert über ein bis drei Tage beeinflussen; die Dauer ist individuell.

Warum Kontrollen im Sport wichtig bleiben

Trotz dieser Grenzen ist Kreatinin ein wichtiger Sicherheitsparameter. Es kann auf akute Nierenschäden hinweisen, etwa bei Rhabdomyolyse nach extremer Belastung, besonders in Hitze und bei Flüssigkeitsmangel. Dann kann Kreatinin rasch steigen; häufig ist zugleich die Kreatinkinase stark erhöht.

Kontrollen sind auch bei potenziell nierenschädigenden Substanzen relevant. Dazu gehören nicht steroidale entzündungshemmende Schmerzmittel. Bei Bodybuildern mit Anabolikamissbrauch wurden außerdem Fälle fokal-segmentaler Glomerulosklerose beschrieben (Herlitz et al., 2010). Die Endocrine Society nennt Nierenschäden als mögliche Folge leistungssteigernder Substanzen (Pope et al., 2014).

Bei proteinreichen Ernährungsformen und zusätzlichen Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes oder familiären Nierenerkrankungen ist ein Ausgangsbefund hilfreich. Entscheidend ist häufig die Entwicklung über die Zeit.

Die Nierenfunktion ist außerdem für die ärztliche Dosierung mancher renal ausgeschiedener Medikamente wichtig. Hierfür werden aktuelle, passend interpretierte Laborwerte benötigt.

Vorbereitung auf die Blutabnahme

Damit ein Routinewert möglichst vergleichbar ist und nicht vor allem die letzte Trainingseinheit widerspiegelt, nennt der Ausgangstext einige Vorbereitungspunkte. Maßgeblich bleiben die individuellen Anweisungen von Arzt und Labor; bei akutem Verdacht darf eine Untersuchung nicht dafür verzögert werden.

  1. Vor einer planbaren Routinekontrolle können 48 bis 72 Stunden ohne schwere oder lange Belastung die Vergleichbarkeit verbessern.
  2. Große Portionen gegartes Fleisch am Vorabend und unmittelbar vor der Untersuchung können den Wert beeinflussen.
  3. Die Vorgaben zur Nüchternheit beachten und normal trinken, ohne kurz vorher übermäßig Wasser aufzunehmen.
  4. Kreatin, Proteinpräparate, Schmerzmittel und andere Medikamente vollständig angeben.
  5. Verlaufskontrollen möglichst im selben Labor durchführen lassen.

Eine Einzelmessung ist nur eine Momentaufnahme. KDIGO betont für die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung über mindestens drei Monate bestehende Auffälligkeiten. Dabei sind sowohl GFR als auch Albuminurie zu berücksichtigen.

Bei Kreatineinnahme kann mit dem Arzt besprochen werden, ob eine Einnahmepause oder eine zusätzliche Cystatin-C-Messung zur Klärung sinnvoll ist. Cystatin C hängt weniger von der Muskelmasse ab, besitzt aber ebenfalls Einflussfaktoren.

Werte verschiedener Labore und verschiedener Tage sind nicht ohne Weiteres vergleichbar. Methodenunterschiede können größer sein als die tatsächliche biologische Veränderung.

Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Laborwerte und der Bedarf weiterer Untersuchungen müssen fachlich beurteilt werden.

Fazit der Redaktion

Kreatinin ist ein einfacher, gut verfügbarer Marker. Bei Sportlern wird er jedoch zusätzlich durch Muskelmasse, Ernährung, Ergänzungen und jüngste Belastungen beeinflusst. Eine Überschreitung des Referenzbereichs ist deshalb allein noch keine Diagnose.

Geeignete Vorbereitung und das Verständnis der eGFR-Grenzen helfen, sowohl unnötige Sorge als auch übersehene Erkrankungen zu vermeiden. Unklare Befunde können unter anderem durch Cystatin C, Urinalbumin und Verlaufskontrollen ergänzt werden.

Besonders wichtig sind Kontrollen bei relevanten Medikamenten, Schmerzmittelgebrauch und bestehenden Risikofaktoren für Nierenerkrankungen.

Der Ausgangstext empfiehlt außerdem Beiträge zu erhöhtem oder erniedrigtem Kreatinin, zur Bedeutung von Cystatin C bei Sportlern und zur Sicherheit von Kreatinmonohydrat.

Literaturverzeichnis

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(4S):S117–S314.
  2. Levey AS, Stevens LA, Schmid CH, et al. A new equation to estimate glomerular filtration rate. Ann Intern Med. 2009;150(9):604–612.
  3. Inker LA, Eneanya ND, Coresh J, et al. New creatinine- and cystatin C–based equations to estimate GFR without race. N Engl J Med. 2021;385(19):1737–1749.
  4. Baxmann AC, Ahmed MS, Marques NC, et al. Influence of muscle mass and physical activity on serum and urinary creatinine and serum cystatin C. Clin J Am Soc Nephrol. 2008;3(2):348–354.
  5. Kreider RB, Kalman DS, Antonio J, et al. International Society of Sports Nutrition position stand: safety and efficacy of creatine supplementation in exercise, sport, and medicine. J Int Soc Sports Nutr. 2017;14:18.
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  7. Pope HG Jr, Wood RI, Rogol A, et al. Adverse health consequences of performance-enhancing drugs: an Endocrine Society scientific statement. Endocr Rev. 2014;35(3):341–375.