Finasterid wird häufig zusammen mit hormonell wirksamen Medikamenten erwähnt. Deshalb fragen sich viele, ob es die Wiederaufnahme der körpereigenen Testosteronproduktion beeinflusst. Die Redaktion betrachtet klinische Erkenntnisse zu seiner Wirkung auf die hormonelle Achse und die Fruchtbarkeit.

Ist Finasterid ein Mittel zur hormonellen Erholung?

Finasterid wird gelegentlich im Zusammenhang mit einer sogenannten Post-Cycle-Therapie genannt. Menschen, die hormonelle Mittel anwenden, nutzen es mitunter gegen Haarausfall oder Akne. Daraus entsteht die Frage, ob es zugleich die Erholung des Hormonsystems fördert.

Pharmakologisch lautet die Antwort nein. Finasterid stimuliert weder Hypothalamus noch Hypophyse oder Hoden. Es hemmt das Enzym 5α-Reduktase, das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. Die körpereigene Testosteronproduktion wird dadurch nicht wiederhergestellt.

Andere im Zusammenhang mit der Stimulation der gonadalen Achse untersuchte Arzneimittel, etwa selektive Östrogenrezeptormodulatoren und humanes Choriongonadotropin, greifen in deren Regulation ein. Finasterid gehört nicht zu dieser Gruppe.

Übersichtsarbeiten zum steroidbedingten Hypogonadismus, beispielsweise Rahnema et al. (2014), behandeln Finasterid daher nicht als Mittel zur Wiederherstellung der Achse. Im Folgenden wird erklärt, wie es die Hormonwerte verändert und weshalb diese Unterscheidung wichtig ist.

Wie Finasterid die Hormonwerte im Blut beeinflusst

Bei gesunden Männern senkt Finasterid den DHT-Spiegel im Serum ungefähr um zwei Drittel. Weil weniger Testosteron in DHT umgewandelt wird, steigt das Gesamttestosteron mäßig an, meist innerhalb des Normbereichs.

Amory et al. (2007) stellten bei gesunden jungen Männern unter Finasterid und Dutasterid keine wesentlichen Veränderungen von LH und FSH fest. Das Präparat aktiviert oder unterdrückt die hypophysäre Regulation demnach nicht in klinisch erheblichem Ausmaß.

Der im Labor beobachtete Testosteronanstieg beruht auf einer veränderten Verstoffwechselung und nicht auf einer Erholung der Achse. In Geweben, für die DHT wichtig ist, nimmt die gesamte androgene Wirkung gleichzeitig ab.

Ein etwas höherer Testosteronwert unter Finasterid belegt daher keine wiederhergestellte Hormonachse. Für die Beurteilung der Keimdrüsenfunktion sind LH, FSH, Testosteron und bei Bedarf ein Spermiogramm relevant.

TestosteronDHTLHFSH↑ mäßig↓ deutlich≈ unverändert≈ unverändert
Abb. 1. Schematische Richtung der Hormonveränderungen unter Finasterid bei gesunden Männern: mäßig höheres Testosteron, deutlich niedrigeres DHT und keine wesentlichen Gonadotropinveränderungen. Die Balkenhöhen dienen nur der Veranschaulichung.
Illustration zum Beitrag: Finasterid und die Erholung des Hormonsystems
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash

Spermienbildung und Fruchtbarkeit

Für viele Männer ist das Ziel einer Erholung nicht allein ein normaler Testosteronwert, sondern auch die Möglichkeit, Kinder zu zeugen. Deshalb ist der Einfluss von Finasterid auf die Spermienbildung relevant.

In der Studie von Amory et al. (2007) verringerte Finasterid das Ejakulatvolumen mäßig. Veränderungen der Spermienkonzentration und Beweglichkeit waren gering und nach dem Absetzen überwiegend reversibel. Die Fachinformation erwähnt zudem Berichte über Unfruchtbarkeit und verschlechterte Samenqualität nach der Markteinführung.

Bei Männern mit bereits unterdrückter Spermienbildung, etwa nach exogenen Androgenen, kann ein zusätzlicher Arzneimitteleinfluss bedeutsam sein. Spezifische Finasteridstudien in dieser Patientengruppe fehlen jedoch.

Bei Kinderwunsch sollte die weitere Einnahme mit einem Urologen oder Andrologen besprochen werden. Ein Kontrollspermiogramm ermöglicht eine objektive Beurteilung.

ParameterEinfluss von FinasteridBedeutung für die Erholung
LH und FSHKeine wesentliche VeränderungKeine Stimulation der Achse
GesamttestosteronMäßiger AnstiegKein Nachweis einer Erholung
DHTAbnahme um ungefähr zwei DrittelMöglicher Einfluss auf Libido und Ejakulation
SamenparameterWeniger Ejakulatvolumen; sonstige Veränderungen mäßigBei Kinderwunsch kontrollieren

Mögliche Risiken während der Erholungsphase

Nach dem Absetzen exogener Androgene treten häufig Symptome eines Hypogonadismus auf: verminderte Libido, Müdigkeit, gedrückte Stimmung und Erektionsstörungen. Einige davon überschneiden sich mit möglichen Nebenwirkungen von Finasterid.

Das erschwert die Diagnose: Betroffene und auch Ärzte können möglicherweise nicht unmittelbar unterscheiden, welche Beschwerden auf einen Hormonmangel und welche auf das Medikament zurückgehen. Vollständige Angaben zu allen eingenommenen Mitteln sind deshalb entscheidend.

Die Produktinformationen zu Finasterid enthalten Warnungen vor Depressionen und Suizidgedanken. Zusammen mit einer bereits gedrückten Stimmung in der Erholungsphase erfordert dies besondere Aufmerksamkeit von Betroffenen und ihrem Umfeld.

Berichte über anhaltende sexuelle Beschwerden nach dem Absetzen, etwa Irwig und Kolukula (2011) sowie Traish et al. (2011), beweisen keinen ursächlichen Zusammenhang. Sie vergrößern jedoch die Unsicherheit gerade in dem Bereich, dessen Funktion wiederhergestellt werden soll.

Was Studien zur Kombination mit Testosteron zeigen

In medizinischen Studien wurde Finasterid mit einer Testosterontherapie bei älteren Männern mit niedrigen Testosteronwerten kombiniert. Untersucht wurde, ob sich der Nutzen für Muskeln und Knochen erhalten und gleichzeitig die Wirkung auf die Prostata vermindern lässt.

Amory et al. (2004) beobachteten sowohl unter Testosteron allein als auch in Kombination mit Finasterid eine höhere Knochenmineraldichte. Die Kombination wirkte sich weniger auf das Prostatavolumen aus. Andere Autoren kamen bei Muskel- und Prostataeffekten zu ähnlichen Ergebnissen.

Diese Arbeiten betreffen eine ärztlich überwachte Hormonersatztherapie. Sie untersuchen nicht die Wiederherstellung der körpereigenen Achse. Eine Übertragung auf die Situation nach einem Steroidzyklus wäre daher nicht sachgerecht.

Die wichtigsten Punkte:

  • Finasterid ist kein Mittel zur Wiederherstellung der gonadalen Achse.
  • Ein Testosteronanstieg unter Finasterid belegt keine Erholung.
  • Hypogonadismussymptome und Arzneimittelnebenwirkungen können sich überlagern.
  • Bei Kinderwunsch ist eine andrologische Beratung sinnvoll.
Wichtig: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ist keine Anwendungsempfehlung. Finasterid ist verschreibungspflichtig. Über Verordnung, Dosierung und Dauer entscheidet ein Arzt nach entsprechender Untersuchung.

Fazit der Redaktion

Finasterid stellt die Funktion des Hormonsystems nicht wieder her. Es verändert LH und FSH nicht wesentlich und stimuliert die Testosteronproduktion nicht. Der mäßige Anstieg im Blut folgt aus der veränderten Verstoffwechselung.

Nach der Anwendung hormoneller Mittel kann Finasterid die Einordnung von Beschwerden erschweren und theoretisch sexuelle oder emotionale Symptome verstärken.

Zur Beurteilung der Hormonachse sind Laboruntersuchungen und eine endokrinologische oder andrologische Beratung erforderlich. Entscheidungen über Medikamente gehören in ärztliche Hände.

Der Ausgangstext empfiehlt ergänzend Beiträge zu Nebenwirkungen und Wirkmechanismus von Finasterid sowie zu Studien über Cabergolin und die hormonelle Erholung.

Literaturverzeichnis

  1. Amory JK, Wang C, Swerdloff RS, et al. The effect of 5α-reductase inhibition with dutasteride and finasteride on semen parameters and serum hormones in healthy men. J Clin Endocrinol Metab. 2007;92(5):1659–1665.
  2. Amory JK, Watts NB, Easley KA, et al. Exogenous testosterone or testosterone with finasteride increases bone mineral density in older men with low serum testosterone. J Clin Endocrinol Metab. 2004;89(2):503–510.
  3. Rahnema CD, Lipshultz LI, Crosnoe LE, et al. Anabolic steroid-induced hypogonadism: diagnosis and treatment. Fertil Steril. 2014;101(5):1271–1279.
  4. Irwig MS, Kolukula S. Persistent sexual side effects of finasteride for male pattern hair loss. J Sex Med. 2011;8(6):1747–1753.
  5. Traish AM, Hassani J, Guay AT, Zitzmann M, Hansen ML. Adverse side effects of 5α-reductase inhibitors therapy: persistent diminished libido and erectile dysfunction and depression in a subset of patients. J Sex Med. 2011;8(3):872–884.
  6. Merck Sharp & Dohme. Proscar (finasteride 5 mg) and Propecia (finasteride 1 mg): prescribing information. U.S. Food and Drug Administration.
  7. Pope HG Jr, Wood RI, Rogol A, et al. Adverse health consequences of performance-enhancing drugs: an Endocrine Society scientific statement. Endocr Rev. 2014;35(3):341–375.